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Warum Meditation nicht immer entspannt und was hochsensible Menschen stattdessen brauchen

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Warum Meditation nicht immer entspannt und was hochsensible Menschen stattdessen brauchen

Ich kann einfach nicht meditieren.”
Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit mit hochsensiblen Menschen immer wieder. Begleitet von Frustration und dem Gefühl, selbst beim Entspannen zu versagen.
Aber… und das ist ganz wichtig: Du bist nicht unfähig zu meditieren. Dein Nervensystem ist nur gerade an einem anderen Ort.
Denn es gibt keine universelle Formel für Entspannung. Hochsensible Menschen brauchen kein Standard-Wellness-Programm. Sie brauchen ein präzises Navigationssystem für ihren Körper, das ihnen zeigt: Wo stehe ich gerade und was brauche ich genau jetzt?

Bevor wir in eine stressige Situation geraten, die uns auch körperlich sehr anspannt, sind da oft schon unsere altbekannten Glaubenssätze:
Ich muss perfekt sein.
Ich muss es allen recht machen.
Ich darf keine Fehler machen.
Ich muss immer funktionieren


Diese inneren Überzeugungen lauern im Hintergrund und werden in bestimmten Momenten aktiviert. Ein kritischer Blick, eine unklare E-Mail, eine Situation, in der wir uns beweisen müssen
und plötzlich spannt alles in uns an.
Der Nacken wird hart, der Atem flach, die Gedanken kreisen. Der Körper ist im Alarmzustand aber wir funktionieren nach außen weiter. Denn das haben wir uns lange antrainiert. Das reizen wir aus, bis irgendwann gar nichts mehr geht.


Der hochsensible Stresstyp:

Kurz zusammengefasst zeichnet den hochsensiblen Stresstypen Folgendes aus: Denken, denken, denken
Hochsensible Menschen haben eine besondere Art, mit Stress umzugehen: Sie grübeln, sie analysieren, siedurchdenken jede Situation aus zehn Perspektiven.
Denn das ist eine ihrer Superkräfte.
Diese Fähigkeit zur Tiefenverarbeitung ermöglicht es uns, Zusammenhänge zu erkennen, die andere übersehen.
Aber: Diese Superkraft funktioniert nur, wenn unser Nervensystem nicht überlastet ist.
Wenn wir hochgradig angespannt sind, wird aus der Tiefenverarbeitung ein Hamsterrad. Die Gedanken kreisen endlos. Der Körper kommt nicht zur Ruhe und genau hier beginnt das Missverständnis mit der Entspannung.


Warum „einfach entspannen” nicht funktioniert
Stell dir vor, du bist innerlich extrem unruhig und dein Nervensystem läuft auf Hochtouren. Die Gedanken rasen und jetzt sagt dir jemand: „Leg dich doch einfach hin und mach eine Fantasiereise.”
Was passiert?
Du hältst es keine fünf Minuten aus. Die Unruhe wird größer. Du fühlst dich eingesperrt in deinem eigenen Körper und danach denkst du: „Ich kann das einfach nicht. Mit mir stimmt was nicht. Ich bin unfähig, mich zu entspannen.
Jetzt kommt etwas sehr Entscheidendes: Es liegt nicht an dir!
Es ist einfach so, dass dein aktuelles Stresslevel nicht zur Entspannungsmethode passt.
Es ist, als würdest du versuchen, ein Auto im fünften Gang anzufahren: Erst ruckelt es, dann geht es aus und zwar nicht, weil dein Auto kaputt ist, sondern weil du im falschen Gang bist.


Das Nervensystem-Navigationssystem: Wo stehst du gerade?
Der Schlüssel liegt darin, dein aktuelles Stresslevel zu erkennen.
Wie angespannt bist du?


Hohe Anspannung
Du bist innerlich extrem unruhig. Die Gedanken rasen und du spürst, dass deine Muskulatur verspannt und hart ist.Stillsitzen ist eine Qual.
Was jetzt hilft: Aktiver Druckabbau – Bewegung, die Spannung rauslässt wie, intensives Gehen, Schütteln, dynamisches Yoga, Cardio oder Kraftsport.

Wenn du keine Sportskanone bist, und dir beim Gedanken daran schon ganz mulmig wird, kannst du es auch mit etwas Ruhigerem versuchen: Sanfte, rhythmische Bewegungen wie Qi Gong, die den Körper langsam herunter regulieren, ohne ihn zu überfordern.
Was jetzt NICHT hilft: Hinsetzen und meditieren oder Fantasiereisen, quasi alles, was Stille erfordert, während dein System nach Bewegung schreit.


Mittlere Anspannung
Du bist angespannt, aber nicht komplett überdreht. Die Unruhe ist spürbar, aber aushaltbar. Du kannst noch bei dir sein.
Was jetzt hilft: Leichte Körperwahrnehmungsübungen wie, Atemübungen oder Sitzmeditationen, achtsame Spaziergänge, sanftes Yoga ohne Leistungsdruck.
Was jetzt vermieden werden sollte: Tiefe Entspannungstechniken, die zu früh zu viel Loslassen fordern oder umgekehrt: intensive körperliche Anstrengung, die zusätzlich pusht.


Niedrige Anspannung
Du fühlst dich relativ ruhig. Dein Atem ist tief. Dein Körper fühlt sich weich an. Du kannst gut bei dir sein.
Was du dir jetzt gönnen kannst: Alle Formen von sanfter Entspannung, Bodyscans, Fantasiereisen, Yoga Nidra, Progressive Muskelentspannung: Alles, was dich noch tiefer in die Regeneration bringt.
Das Wichtige: In diesem Zustand können all die klassischen Entspannungsmethoden auch für hochsensible Menschenwunderbar funktionieren.


Nutze deinen Körper als Kompass. Höre in dich hinein und du wirst spüren, was du brauchst.
Am Anfang ist es nicht immer leicht zu erkennen: Wo stehe ich gerade? Brauche ich Bewegung oder Stille? Anspannung oder Loslassen?
Aber mit der Zeit kommt die Erfahrung.
Vor allem darfst du aufhören zu glauben, dass du das Problem bist.
Wenn Meditation nicht funktioniert, liegt es nicht daran, dass du „nicht meditieren kannst”. Es liegt daran, dass dein Nervensystem gerade woanders ist und etwas anderes braucht.


Was hochsensible Menschen wirklich brauchen
Keine weiteren Ratschläge im Stil von „Mach einfach mehr Yoga”, sondern ein individuelles Verständnis dafür, wie ihr Körper tickt.
Wie fühlt sich hohe Anspannung bei mir an?
Was beruhigt mein Nervensystem wirklich?
Wann brauche ich Bewegung, wann Stille?
Welche Entspannungsform passt zu welchem inneren Zustand?


Und jetzt kommt das Wichtigste: Gib dir die Erlaubnis, nicht immer „perfekt entspannen” zu müssen. Dein hochsensibles Nervensystem ist nicht kaputt. Es ist präzise und reagiert fein auf Reize. Daher braucht es eine feine Abstimmung, um wieder in Balance zu kommen.
Wenn du lernst, seine Sprache zu verstehen, wird aus der vermeintlichen Schwäche eine echte Stärke.


Wie geht es weiter?
Wenn dich dieses Thema anspricht, wenn du endlich verstehen willst, wie dein Körper funktioniert und welche Regulation zu welchem Stresslevel passt, dann komm am 7. März nach Mainz.
Beim Fachtag Hochsensibilität spreche ich genau darüber, wie du dein Nervensystem lesen lernst, welche Bewegungs- und Entspannungsformen wann sinnvoll sind und wie du aufhörst, gegen deinen Körper zu arbeiten.
[Hier geht’s zur Anmeldung für den Fachtag]
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Sandra Agel
Praxishaus am Weinberg
Herrnbergstraße 67
65201 Wiesbaden

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